Telefonnummern in Deutschland

Telefonnummern

Die Geschichte vor den Telefonnummern

Nachdem Alexander Graham Bell im Jahr 1877 die Firma Bell Telephone Company gegründet hatte, erlebte das Telefon in den USA einen schnellen Aufschwung. Diese Entwicklung hatte in Deutschland großen Einfluss und Berlins Generalpostmeister Heinrich von Stephan experimentierte früh mit den Apparaten aus Übersee. Bereits im Oktober 1877 stand die erste Telefonleitung mit rund zwei Kilometern Länge. Die Firma Siemens & Halske erweiterte das Gerät währenddessen um eine Signalvorrichtung, sodass die heutige Nutzung überhaupt erst vorstellbar wurde. Schon im November 1877 kamen die ersten Modelle auf den Markt und eroberten bald die Privathaushalte.

Die Fernsprechnetze wurden jedoch erst ab 1881 eingerichtet, wobei vor allem Frankfurt am Main und Berlin relativ schnell angeschlossen waren. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Signalwege immer länger und verbanden die Großstädte untereinander. Ohne Telefonnummern musste die komplette Kommunikation dabei noch per Hand vermittelt werden. Als sich herausstellte, dass die höheren Frauenstimmen bei schlechter Verbindung besser zu hören waren als Männerstimmen, entstand das heute so prägende Bild vom Fräulein vom Amt. Die Leitungen verliefen im Übrigen fast vollständig oberirdisch. Erst nach einem Zusammenbruch der wichtigen Trasse zwischen Magdeburg und Berlin begann man ab 1912 mit der unterirdischen Verlegung.

Das Selbstwählsystem in Deutschland

selbstwaehlsystem1908 wurde in Hildesheim der erste Wählapparat Europas in Betrieb genommen. Allerdings waren die Verbindungen noch immer beschränkt: Das Modell war mit 900 Leitungen im Stadtgebiet vernetzt. Eine Kommunikation über dessen Grenzen hinaus erforderte nach wie vor einen Vermittler. Es dauerte bis 1923, bevor in Oberbayern das erste größere Einzugsgebiet mit eigener Empfängerwahl angeschlossen wurde. Das heutige Vorwahlsystem war dabei aber noch nicht existent. Die Notwendigkeit dafür erkannte man spätestens 1955, als zwischen Lörrach und Basel in der Schweiz die erste grenzübergreifende Verbindung entstand. Anrufe ins Nachbarland erfordern bis heute die Länderkennzahl 0041.

Erst 1966 wurde die letzte Vermittlungsstelle mit Handbetrieb für Ortsnetze eingestellt, das letzte Fernmeldeamt schloss sogar erst 1994 in Potsdam. Um die Verwendung aller Netze zu vereinfachen, wurde Ende der 1980er Jahre das ISDN-System für Telefonnummern umgesetzt. Es vereinte unter anderem Telefonie, Fax und Telex in einem und erleichterte damit die Signalübermittlung. Ab 1993 wurde eine Einigung für den lange gültigen Euro-ISDN-Standard und damit die internationale Kommunikation gelegt.

Vorwahlen

VorwahlenDer Begriff Vorwahl ist im Sprachgebrauch mit Abstand der geläufigste Term, stellt aber keine offizielle Bezeichnung dar. Tatsächlich kann er mehrere Bestandteile umfassen, an die nicht zwingend jeder sofort denkt. Meist ist damit die Ortsnetzkennzahl gemeint. Deutschland ist in insgesamt 5.200 Ortsnetzbereiche unterteilt, denen jeweils eine zwei- bis fünfstellige Nummer zugewiesen wurde. Wer einen Teilnehmer innerhalb seines eigenen Gebiets anruft, braucht dafür keine Ortsnetzkennzahl, sofern der Anbieter diese Option zulässt. Telefonate in andere Bezirke müssen hingegen damit begonnen werden. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass die anfängliche 0 bereits dazugehört. Stattdessen handelt es sich dabei um die sogenannte Verkehrsausscheidungsziffer oder das Präfix.

Nur wenige Telefonnummern können auf diese Eingabe verzichten. Die bekanntesten Beispiele sind die Notrufanschlüsse. Auch Auskunfts- und Vermittlungsdienste sowie einige Behörden beginnen stattdessen mit einer 1. Neben Ortsnetzkennzahlen gilt ebenso der Beginn einer Mobilfunknummer als Vorwahl. Sie bestehen aus der Ausscheidungsziffer, der zweistelligen Dienstekennzahl und einer Blockkennung. Eine weitere Möglichkeit sind Sonderrufnummern, die weiter unten erläutert werden. Internationale Vorwahlen seien nur am Rande erwähnt. Die beiden Nullen vor der Länderkennzahl sind dabei wiederum Präfixe. Deutschlands Länderkennzahl ist 49. In Handys und auf schriftlichen Angaben wird die Verkehrsausscheidungsziffer durch ein Pluszeichen ersetzt.

Die Vergabe von Telefonnummern

Die Telefonnummern oder Rufnummern selbst werden vom Netzanbieter vergeben. Dieser muss sich dabei allerdings an nationale Nummerierungspläne halten. Für diesen ist in Deutschland die Bundesnetzagentur zuständig. Spätestens seit beim Anbieterwechsel eine Rufnummermitnahme angeboten wird, gibt die Telefonnummer selbst keine Hinweise mehr auf Standort oder Netz des Inhabers. So wurde es erst denkbar, dass man sich bei der Auswahl einer neuen SIM-Karte eine Zahlenkombination aussuchen durfte. Die internationale Richtlinie E. 164 setzt die maximal zulässige Länge einer Telefonnummer auf 15 Stellen fest. Eingeschlossen sind dabei alle Vorwahlen, die Präfixe werden nicht mitgezählt. Deutsche Festnetzanschlüsse haben seit Mitte 2011 elf Stellen. Das trifft ebenso beim Mobilfunk zu, wobei vor allem ältere Rufnummern alternativ aus zehn Ziffern bestehen können. Insbesondere „Sonder“ Telefonnummern und nationale Anschlüsse im Allgemeinen können mehr als 15 Stellen aufweisen.

Sonderrufnummern

SonderrufnummernInnerhalb Deutschlands gibt es diverse Sonderrufnummern, die bereits am Rande erwähnt wurden. Notrufnummern, die lediglich aus drei Ziffern bestehen und keine Vorwahl benötigen, sind eine sehr spezielle Variante und wurden einfach und kurz gehalten. Ein vergleichbares Vorgehen findet sich ansonsten nur bei Vermittlungen und anderen Notdiensten wie Vermisstenstelle, Kreditkartensperre oder Seelsorge.

Verbreitet ist des Weiteren die Sondervorwahl 0800, wobei die 0 wiederum nicht zur eigentlichen Vorwahl zählt. Verbindungen mit dieser Nummernfolge weisen darauf hin, dass der Anrufer nicht für das Gespräch zahlt. In erster Linie Kundendienste oder Bestellhotlines bieten diese Option an, die bis zur Jahrtausendwende mit 0130 gekennzeichnet war. Da diese Vorwahl im Mobilfunknetz mit höheren Kosten für das Unternehmen verbunden ist, sperren die meisten diese Verbindung. Sobald eine Verbindung zustande kommt, muss der Empfänger aber automatisch die Kosten tragen.

Die Vorwahl 0900 umfasst sogenannte Mehrwertdienste. Das bezieht sich darauf, dass die Möglichkeiten über ein einfaches Gespräch hinausgehen und beispielsweise eine Aufzeichnung erlauben. Etwa eine Tastenwahl in einem durch Ansagen erklärten Menü ist ebenfalls nur auf diesem Wege denkbar.

Eine dritte Version solcher Vorwahlen ist weit weniger bekannt. Mit 0700 beginnen persönliche Rufnummern, die der Nutzer beliebig an verschiedene Apparate leiten kann. So erreicht man über die gleiche Telefonnummer eine Person tagsüber im Büro und abends zu Hause.